Kriterien und Statuten zur Erstellung und Unterhaltung von Zuchtbüchern

Kriterien und Statuten zur Erstellung und Unterhaltung von Zuchtbüchern
mit dem Ziel der Erhaltung bedrohter Phelsumenarten in Terrarienbeständen.
 
Stand: IGP 07/05
1. Initiator und Träger
1.1 Initiator, Träger und Eigentümer der Zuchtbücher für bedrohte Phelsumenarten ist die Interessengruppe Phelsuma (nachfolgend IGP).
2. Artenauswahl
2.1 Die Auswahl derjenigen Arten, die über ein Zuchtbuch verwaltet werden sollen, trifft die IG-interne “Arbeitsgruppe Artenschutz”. Eine erste Hilfestellung bietet die im Herbst 2004 erstellte “Rangliste der bedrohten Phelsumenarten”.
2.2 Die Berücksichtigung zum Management in einem Zuchtbuch finden Phelsumenarten, die in ihren Freilandbeständen einer akuten Bedrohung unterliegen oder für die eine akute Bedrohung unmittelbar zu erwarten ist.
3. Arbeitsgruppe Artenschutz
3.1 Setzt sich zusammen aus einer Gruppe von 6 Personen. Jede Person muß der IGP als Mitglied angeschlossen sein.
3.2 Erarbeitet die Kriterien zur Erstellung der Zuchtbücher und ergänzt, bzw. überarbeitet diese wenn notwendig.
3.3 Erwählt die für ein Zuchtbuch relevanten Arten.
3.4 Bestellt den Zuchtbuchkoordinator und die Zuchtbuchführer.
3.5 Berät und entscheidet über eventuell mögliche Schutzmaßnahmen im Freiland und deren (finanzielle) Unterstützung.
3.6 Die Mitarbeit in dieser Gruppe soll mindestens ein halbes Jahr vor Jahresende aufgekündigt werden. Die restlichen Vertreter dieser Gruppe bestellen dann ggfs. eine Ersatzperson.
4. Zuchtbuchkoordinator
4.1 Ist verantwortlich für alle geführten Zuchtbücher innerhalb der IGP.
4.2 Soll Mitglied der Arbeitsgruppe Artenschutz sein.
4.3 Berichtet der Arbeitsgruppe Artenschutz.
4.4 Unterstützt die Zuchtbuchführer in sachlichen und fachlichen Fragen.
4.5 Teilt einmal jährlich den IG-Mitgliedern in “Der Taggecko” die Bestandsdaten der Zuchtbücher mit.
4.6 Kann gleichzeitig auch Zuchtbuchführer und/oder Zuchtbuchteilnehmer sein.
4.7 Die Aufgabe als Zuchtbuchkoordinator soll mindestens ein halbes Jahr vor Jahresende bei Mitgliedern der Arbeitsgruppe Artenschutz aufgekündigt werden. Die Arbeitsgruppe Artenschutz bestellt dann eine Ersatzperson.
5. Zuchtbuchführer
5.1 Pro Zuchtbuch, bzw. Art wird ein Zuchtbuchführer eingesetzt.
5.2 Ist verantwortlich für das Management der Tiere der ihm anvertrauten Art innerhalb des Zuchtbuches.
5.3 Verpflichtet sich zu der fortlaufenden und gewissenhaften Pflege des Zuchtbuches.
5.4 Bestellt die Teilnehmer des Zuchtbuches.
5.5 Stellt Zuchttiere aufgrund der Verwandschaftsgrade zusammen.
5.6 Hat Entscheidungsbefugnis über die Transfers der registrierten Zuchttiere und deren Nachkommen innerhalb des Zuchtbuches.
5.7 Berichtet mindestens einmal jährlich (zum 31.12.) an den Zuchtbuch-koordinator.
5.8 Muß Mitglied der IGP sein.
5.9 Kann gleichzeitig Zuchtbuchteilnehmer sein.
5.10 Die Aufgabe als Zuchtbuchführer soll mindestens ein halbes Jahr von Jahresende beim Zuchtbuchkoordinator aufgekündigt werden. Die Arbeitsgruppe Artenschutz bestellt dann eine Ersatzperson.
6. Zuchtbuchteilnehmer
6.1 Die Anzahl der Zuchtbuchteilnehmer ist abhängig von der Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung des festgelegten Mindestbestandes einer im Zuchtbuch geführten Art.
6.2 Ist verantwortlich für die Pflege, die Gesunderhaltung und die mögliche Nachzucht der ihm aus dem Zuchtbuch anvertrauten Tiere.
6.3 Verpflichtet sich, im Zuchtbuch registrierte Tiere und deren Nachkommen nur mit Zustimmung oder auf Geheiß des Zuchtbuchführers abzugeben.
6.4 Berichtet mindestens halbjährlich (zum 30.06. und zum 31.12.) an den Zuchtbuchführer.
6.5 Verpflichtet sich, alle bei ihm eingestellten Zuchtbuchtiere ordnungsgemäß bei den zuständigen Behörden zu melden.
6.6 Muß nicht zwingend Mitglied der IGP sein.
6.6.1 Nicht-Mitglieder verpflichten sich den Bestimmungen der IGP, bzw. den Kriterien des Zuchtbuches Folge zu leisten.
6.7 Die Aufgabe als Zuchtbuchteilnehmer ist mindestens ein halbes Jahr vor Jahresende beim Zuchtbuchführer aufzukündigen. Der Zuchtbuchführer bestellt dann eine Ersatzperson. 6.7.1 Bei der Aufkündigung einer Mitarbeit als Zuchtbuchteilnehmer müssen alle für diesen Zuchtbuchteilnehmer im Zuchtbuch eingetragenen Tiere und deren Nachkommen spätestens nach Ablauf des halben Jahres dem Zuchtbuchführer oder den vom Zuchtbuchführer benannten Personen zur Verfügung gestellt werden.
7. Zuchtbuchtiere
7.1 Phelsumen der zu erhaltenden Art werden dem Zuchtbuch als Dauerleihgabe zugeführt. 7.1.1 Einstellung von Tieren als Dauerleihgabe für das Zuchtbuch. 7.1.1.1 Bei einer Einstellung als Dauerleihgabe bleiben die Tiere im Besitz des jeweiligen Züchters, der jedoch dem Zuchtbuchführer jegliches Management überläßt.
7.1.1.2 Zur gegebenen Zeit kann durch einen erzielten Überbestand (siehe Punkt 7.5. ff) ein Ausgleich erfolgen.
7.1.1.3 Eine Gewähr auf Ersatz oder Ausgleich in jedweder Form bei Todesfällen besteht nicht. (Ausnahme siehe Punkt 7.5.1.4)
7.1.1.4 Alle Nachzuchten aus den als Dauerleihgabe eingestellten Tieren sind Eigentum des Zuchtinitiators (IGP).
7.2 Der Verleiher kann gleichzeitig Zuchtbuchführer und/oder Zuchtbuchteilnehmer sein. Die Bestimmungen gelten dann ebenso wie in Punkt 7.1. ff beschrieben.
7.3 Ein Mindestbestand von 100 Tieren pro Zuchtbuch wird angestrebt.
7.4 Zuchtbuchtiere und deren Nachkommen dürfen bis zum Erreichen eines Mindestbestandes nur innerhalb des Zuchtbuches transferiert werden.
7.5 Vergabe von Überbestandstieren. 7.5.1 Vergabe von Überbestandstieren an Verleiher. 7.5.1.1 Erst nach Erreichen eines Mindestbestand von 100 Tieren ist eine Vergabe von Überbestandstieren an Verleiher möglich.
7.5.1.2 Tiere aus einem Überbestand (von möglichst genetisch überrepräsentierten Blutlinien) können dann zunächst in gleicher Menge als Ausgleich für die eingestellten Tiere an die Verleiher zur freien Verfügung zurück gegeben werden.
7.5.1.3 Bei der Rückführung von Überbestandstieren besteht seitens des Verleihers kein Anspruch auf die ehemals eingestellten, eventuell noch lebenden Ursprungstiere.
7.5.1.4 Die Möglichkeit einer Rückführung von Tieren aus einem Überbestand haben auch Verleiher, deren Leihgaben mittlerweile verstorben und somit nicht mehr existent sind.
7.5.1.5  Die Abfolge der Rückführung von möglichen Überbestandstieren soll sich nach dem Datum der Einstellung der ursprünglichen Leihgabetiere richten.
7.5.1.6 Dauerleihgaben, die durch Überbestandstiere ausgeglichen wurden, gehen in den Besitz des Zuchtbuchinitiators (IGP) über.
7.5.2 Vergabe von Überbestandstieren an Dritte. 7.5.2.1 Nach dem Erreichen eines Mindestbestandes und der Rückführung von Überbestandstieren an alle Verleiher, können weitere Überbestandstiere (aus möglichst überrepräsentierten Blutlinien) in Absprache mit dem Zuchtbuchführer an IG-Mitglieder, die nicht dem Zuchtbuch angeschlossen sind und externe Halter abgegeben werden.
7.6 Erträge aus der Abgabe von Überbestandstieren. 7.6.1 Erträge aus der Abgabe von Überbestandstieren können einem Konto der IGP als Spenden zur Verfügung gestellt werden.
7.6.2 Die Entscheidung über die weitere Verwendung dieser Gelder obliegt der Arbeitsgruppe Artenschutz.
7.6.3 Die Beträge dürfen ausschließlich für die Zuchtbuchaktion, bzw. die Zuchtbuchtiere oder für die Unterstützung von Artenschutzprojekten im Freiland Verwendung finden.
8. Allgemeines
8.1 Jeder, der an einem Zuchtbuch in jeglicher Art und Weise beteiligt ist, verpflichtet sich, die vorgenannten Regeln und Bestimmungen zu akzeptieren und im Sinne der IGP zu handeln.
8.2 Nichtbeachtung oder Zuwiderhandlung der vorgenannten Regeln und Bestimmungen kann den unmittelbaren Ausschluß aus der IGP zur Folge haben. Eventuell vorhandene Zuchtbuchtiere sind der IGP nach Ausschluß unverzüglich auszuhändigen.
8.3 Die IGP geht davon aus, dass alle dem Zuchtbuch als Dauerleihgabe zugestellten Tiere ordnungsgemäß bei den zuständigen Behörden des Verleihers gemeldet wurden und sich legal in dessen Bestand befanden.
8.4 Die IGP, bzw. die von der IGP autorisierte Arbeitsgruppe Artenschutz behält es sich vor, im Bedarfsfalle alle vorgenannten Punkte der Kriterien und Statuten zur Erstellung und Unterhaltung von Zuchtbüchern zu modifizieren und zu ergänzen.
Arbeitsgruppe Artenschutz, 16.07.2005
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