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Vorgelesen - eine Buchbesprechung


von Gerd Trautmann (Der TagGecko, Nr.51, 3/2005)


Herbert Rösler: Vermehrung von Geckos, Herpeton, Verlag Elke Köhler, Offenbach, 270 Seiten



Wieder mal ein umfassendes Werk des Autoren und wieder mal die Empfehlung an alle, die sich ernsthaft mit der Haltung und Zucht von Geckos befassen: ein MUSS für die Literatursammlung. Es ist wirklich beeindruckend, was Herbert Rösler hier an Daten zusammengetragen und aufbereitet hat.
Es ist kaum möglich, einen umfassenden Überblick über den sehr komplexen Inhalt des Buches zu geben. Deshalb seien hier beispielhaft die Kapitel wiedergegeben: Grundlagen; Hinführung zur Fortpflanzung; Reproduktionsprinzipien; Das Fortpflanzungsverhalten von Geckos; Trächtigkeit; Eiablage und Geburt; Geckoeier und ihre Inkubation; Der Schlupf von Geckos; Die Aufzucht von Geckos; Fortpflanzungsstörungen; Dokumentation; Fehler und Fehlerbeseitigung in der Zuchtpraxis im Überblick; Wenn Jungtiere erwachsen werden; abschließend folgt unter anderem ein sehr hilfreicher tabellarischer Anhang mit Fortpflanzungsdaten und ein beeindruckendes Literaturverzeichnis.


Es macht einfach Spaß, in diesem Werk zu lesen und festzustellen, über wieviele Dinge man sich einfach noch keine Gedanken gemacht hat oder bestenfalls vermieden hat, sich Gedanken zu machen. So ist es nicht verwunderlich, dass hier die eine oder andere Ohrfeige für den Terrarianer (selbstverständlich auch für den Rezensenten) parat gehalten wird. Herbert Rösler führt hier sehr schön die gängigen Ausreden an, die benutzt werden, wenn die Zucht einer bestimmten Art nicht funktioniert - hilft aber gleichzeitig beim Hinterfragen der Problematik und bietet häufig verblüffende Lösungsmöglichkeiten an. Mir als Rezensenten gefällt vor allem auch die Kritik an der gängigen Praxis, Haltern und Züchtern von seltenen (teuren) Arten, die möglicherweise aber recht leicht zu vemehren sind, zu bewundern; Züchtern von "uninteressanten" (weil billigen) Arten, die unter Umständen durchaus schwierig zu vermehren sind, mit Desinteresse zu begegnen. Und da ich gerade beim Loben bin: Auch das Hinführen zu regelmäßiger Dokumentation, einschließlich Vorschlägen, wie so eine Zuchtdokumentation aussehen könnte, gefällt mir sehr gut und das vorliegende Buch belegt, was konsequentes Festhalten von Zuchtdaten ermöglicht; auch wenn der Aufruf zum regelmäßigen Wiegen der Gelege während der Inkubation zumindest für den normal engagierten Terrarianer übers Ziel hinausschießt, zumal die Kosten für die nötige Feinwaage an den Preis einer mittleren Terrarienanlage heranreicht.


Schade ist eigentlich nur, dass die Farbbilder (wohl aus Kostengründen) konzentriert auf 32 Farbtafeln dargestellt wurden. Textbegleitend wären die zum Teil außergewöhnlichen Abbildungen sicherlich besser positioniert. Allerdings ist dies ein "Mangel", der verschmerzt werden kann. Grund zum Meckern findet man allenfalls noch beim intensiveren Studium: so wird z.B. auf Seite 20 die abwechslungsarme Nahrungszusammensetzung zentralasiatischer Geckos mit zwei Literaturzitaten angesprochen, die jedoch in russischer Sprache verfasst sind. Dies dürfte den wenigsten Lesern weiterhelfen. Hier wäre eine tabellarische Darstellung (auch auszugsweise) besser gewesen.


Sicherlich wird der eine oder andere Leser einwenden, dass das vorliegende Buch "zu wissenschaftlich" angelegt ist. Diesen Zweiflern sei ein Auszug aus dem Vorwort von F. J. Obst an's Herz gelegt: "Der hohe Anspruch des Autoren an sich selbst und an seine Leser sollte nicht darÜber hinwegtÄuschen, dass ... die beim praktischen ZÜchter so beliebten kleinen wichtigen Rezepte keinesfalls zu kurz gekommen sind, ...".

Für alle "eingleisigen" Terrarianer sollte nicht unerwähnt bleiben, dass auch die Gattung Phelsuma in diesem Werk einen ihr gebührenden Teil einnimmt, bzw. Erkenntnisse auch auf diese Gattung Anwendung finden können. Vor allem aber bricht Herbert Rösler mit seinem Buch eine wissenschaftlich akribische Lanze für alle, die den Spagat zwischen Tierschutz, "Tierverbrauch" und Tierhaltung wagen. Dafür sei ihm an dieser Stelle besonders gedankt.