Phelsuma guttata (KAUDERN, 1922)

Arne Hartig (Der TagGecko Nr.63, 3/2008)

 

P. guttata in Masoala

P. guttata in Masoala

 

Der Name leitet sich vom lateinischen “guttatus – tropfenförmig” ab.

Synonyme:
1922 Phelsuma guttata, KAUDERN, Zool. Jb. (Syst.) , Jena, 45:418, Tafel 12, Fig. 1-1a.
1939 Phelsuma guttatum, RENDAHL, Zool. Jb. (Syst.), Jena, 72: 268.

Terra Typica:
Fandrarazana, nordöstliches Madagaskar

 

typische Kehlbeschuppung bei P.guttata

typische Kehlbeschuppung bei P.guttata

 

Beschreibung

Mit 12 – 14 cm Gesamtlänge zählt P. guttata zu den mittelgroßen Phelsumen. Sie besitzt einen spitzen Kopf, und macht durch ihren langen Schwanz einen sehr schlanken Eindruck.

 

 

P.guttata, Männchen

P.guttata, Männchen

Die Färbung ist, auch innerhalb eines Vorkommesgebietes, sehr variabel. Grundfarbe ist dunkel- bis hellgrün, im Nacken- und Schwanzbereich können türkisblaue Einfärbungen auftreten. Die Flanken und Extremitäten sind stark graubraun marmoriert. Der Rücken ist je nach Individuum stark bis schwach bepunktet. Diese Bepunktung reicht von fast schwarz, über braunrot, bis zu einem leuchtenden rot, vermutlich je nach Stimmungslage. Auch kann diese Zeichnung verwaschen, klar umrandet, oder bis hin zu länglichen, roten Streifen ausfallen. Bauch und Schwanzunterseite sind weißlich bis beige.

 

P.guttata, Weibchen

P.guttata, Weibchen

Auffälligstes Merkmal ist die Kopfzeichnung bzw. deren Beschuppung. Ein braunroter Schnauzenstrich zieht sich von der Nasenöffnung bis zum bernsteinfarbenen Auge und weiter bis zum Ohr. Ein zweites, nicht ganz so deutliches Band verläuft vom Mundwinkel über die Ohröffnung. An der Kopfunterseite befinden sich ebenfalls ein bis zwei v-förmige Bänder. Charakteristisch ist an der Kopfunterseite die Kehlbeschuppung. Sie besteht aus einer Gruppe kleinerer Schuppen die von größeren Schuppen ringförmig umschlossen sind. Dies ist innerhalb der Gattung Phelsuma einmalig. Die Oberseite des Kopfes ist wieder sehr individuell gezeichnet.

Ein Geschlechtsdimorphismus ist nicht vorhanden. Einziges Unterscheidungsmerkmal sind die Präanofemoralporen und die sich abzeichnenden Hemipenistaschen bei adulten Männchen.

Lebensraum von P.guttata in Masoala

Lebensraum von P.guttata in Masoala

Verbreitung und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet von Phelsuma guttata erstreckt sich an der Ostküste von Manambato über Nosy Boraha, Masoala, Marojejy bis kurz vor Iharana. Im Landesinneren geht die Verbreitung bis ins Hochland nach Zahamena (Tiana Ratolojanahary, mündl. Mitteilung).
Sie bewohnt dort die dichten Wälder, ist aber auch an Bäumen am Wegesrand und in direkter Küstennähe zu finden. Nur an Kulturpflanzen in der Nähe von menschlicher Besiedlung konnte ich sie bisher noch nicht beobachten.
Zu finden ist sie hauptsächlich an Bäumen in 1 bis 3 m Höhe, sowie an Ravenala madagascariensis und Pandanus sp., deren Blattachseln sie als Eiablageplätze nutzt. Aber auch hinter loser Rinde und in Fraßgängen von Insektenlarven werden die Gelege abgesetzt.
P. guttata lebt zum Teil sympatrisch mit P. pusilla pusilla beziehungsweise P. quadriocellata bimaculata.

Gelege von P.guttata in einer Pandanus sp.

Gelege von P.guttata in einer Pandanus sp.

 

Das Klima ist ganzjährig warm und feucht. Die mittlere Temperatur und die Niederschlagsmenge betragen:

Tamatave:
August: 20,6°C, Februar: 26,0°C, Jahresniederschlag: 3362 mm

Maroantsetra:
August: 20,8°C, Februar: 26,0°C, Jahresniederschlag: 3664 mm

P.guttata zusammen mit P.p.pusilla

P.guttata zusammen mit P.p.pusilla

 

Antalaha:
August: 21,3°C, Februar: 26,2°C, Jahresniederschlag: 2354 mm

Auffallend ist die äußerst geringe Fluchtdistanz von P. guttata. So kann man sie in aller Ruhe fotografieren, und erst bei allergrößter Störung wechselt sie gemächlich die Astseite.

 

Terrarium für P.guttata

Terrarium für P.guttata

Terrarium:

Die Terrariengröße sollte mindestens B50xT40xH60 cm betragen, weitaus besser empfinde ich eine Größe ab B50xT50xH80 cm.

Als Waldbewohner benötigt P. guttata ein dicht bepflanztes Terrarium mit hoher Luftfeuchtigkeit und einer guten Belüftung. Die hohe Luftfeuchtigkeit erreiche ich mit einer Drainageschicht aus Kies oder Blähton, die sorgfältig mit einem Flies abgedeckt wird. Darauf kommen gut gewässerte Torfziegel. Die restlichen Flächen und eventuell auftretende Spalten werden mit feiner Pinienrinde aufgefüllt. Man sollte tunlichst darauf achten, dass die Tiere keinen Zugang zu den Kies- oder Seramissteinchen haben. Die Weibchen neigen leider trotz ausreichender Mineralstoffgaben zur Aufnahme derselben, was unweigerlich zu Verstopfung und Tod des Tieres führt.

trächtiges Weibchen von P.guttata, das an Darmverstopfung durch Aufnahme von Seramis gestorben ist

trächtiges Weibchen von P.guttata, das an Darmverstopfung durch Aufnahme von Seramis gestorben ist

Zur Bepflanzung eignen sich die üblichen Pflanzen wie Bromelien, Sansevierien, Yucca, Spatiphyllum, Epipremnum, etc..
Die weitere Einrichtung kann aus Bambus und den verschiedensten glatt- und grobrindigen Ästen bestehen. Auch an Rück- und Seitenwänden aus Naturkork hält sich P. guttata gerne auf.

Die Beleuchtung spielt bei P. guttata eine eher untergeordnete Rolle. Je nach Größe des Terrariums reichen 1 – 2 Leuchtstofflampen (möglichst mit UV-Anteil) und 2 – 3 Halogenspots als lokale Wärmeplätze vollkommen aus. In meinen Schauterrarien, die Aufgrund der speziellen Bepflanzung sehr hell beleuchtet sind, fühlt sich P. guttata nicht wohl und ich musste die Tiere nach relativ kurzer Zeit wieder entnehmen.
Das Terrarium wird einmal am Tag kräftig überbraust.

Paarung bei P.guttata

Paarung bei P.guttata

 

Verhalten

Da die Weibchen untereinander sehr unverträglich sein können, empfiehlt sich eine paarweise Haltung. In seltenen Fällen können aber auch Vergesellschaftungen von einem Männchen mit mehreren Weibchen funktionieren. Dieses sollte aber nur unter ständiger, aufmerksamer Beobachtung geschehen, da es auch nach einem längeren Zeitraum zu Streitigkeiten kommen kann.
In der Regel vertragen sich Männchen und Weibchen gut. Es kommt aber auch vor, das die Männchen stark treiben, bis hin zu schweren Beißereien. Daher ist es von Vorteil, mindestens zwei Weibchen in verschiedenen Terrarien zu halten, damit man das Männchen umsetzen kann und sich die Weibchen erholen können.

Die gemeinschaftliche Haltung von mehreren Weibchen ist selten so unproblematisch wie hier

Die gemeinschaftliche Haltung von mehreren Weibchen ist selten so unproblematisch wie hier

 

Ausgeprägt finde ich das Abwehrverhalten der Weibchen gegenüber aufdringlichen Männchen. Das “abwinken” mit der Vorderpfote und das heraus strecken der Zunge konnte ich schon bei einigen anderen Phelsumenarten beobachten. Phelsuma guttata – Weibchen liegen zuweilen bäuchlings auf dem Ast und “rudern” geradezu durch die Luft. Richtig nachhaltig beeindruckt dieses Verhalten die Männchen allerdings nicht.

 

 

 

typisches "abwinken" der Weibchen von P.guttata

typisches “abwinken” der Weibchen von P.guttata

 

Eine angenehme Charaktereigenschaft ist die Zutraulichkeit dieser Art. Wie schon erwähnt, kann man die Geckos im Biotop fast von den Bäumen pflücken. Auch im Terrarium zeigt sie wenig Scheu und ist eigentlich immer zu beobachten. Arbeiten im Terrarium oder Scheiben putzen beeindrucken wenig, die Tiere kommen zum Teil sogar angelaufen um zu gucken was da so passiert.
Natürlich gibt es aber auch einzelne Individuen, die nicht so zutraulich sind.
Im Allgemeinen hat sich heraus gestellt, das je größer das Terrarium ist, desto gelassener die Phelsumen sind.

 

 

P.guttata sieht nach dem Fressen von Fruchtbrei meist "etwas" unproportioniert aus

P.guttata sieht nach dem Fressen von Fruchtbrei meist “etwas” unproportioniert aus

Ernährung

Eine Besonderheit bei P. guttata ist der hohe Bedarf an pflanzlicher Kost. Hier bieten sich gequetschte Früchte wie z.B. Banane, Mango oder Litschi an. Hervorragend eignen sich aber auch Babyfruchtbreie diverser Hersteller, sehr beliebt sind Pfirsich/Maracuja, Pfirsich, Aprikose, und Birne – aber bitte nichts mit Apfel, das ist ihnen zu sauer.
Diese Fruchtbreie reichere ich zusätzlich mit einem Vitamin- und Mineralstoffpulver an, und reibe etwas Sepiaschale hinein. Der Fruchtbrei wird mindestens ein mal pro Woche gereicht. Macht man das nicht kann es vorkommen, dass die Phelsumen jegliche andere Nahrung verweigern. Auch das DayGeckoFood von ZOOMED wird gerne genommen.

P.guttata hat eine Wasserschnecke erbeutet

P.guttata hat eine Wasserschnecke erbeutet

 

Ein paar meiner Tiere fressen sehr gerne kleine Gehäuseschnecken. Wenn ein Wasserteil im Terrarium vorhanden ist kann es sogar so weit gehen, das die Geckos regelrecht nach kleinen Wasserschnecken tauchen. Leider lassen sich nicht alle Tiere an dieses gehaltvolle Futter gewöhnen, sind doch gerade die Schnecken schnell eine Plage in ansprechend bepflanzten Terrarien.

Des Weiteren wird das übliche Insektenfutter wie Fliegen, kleine Schaben, Ofenfischchen, Heimchen etc. gefüttert. Alle Futtertiere werden vorher mit einem Vitamin- und Mineralstoffpulver eingestäubt. Während der Reproduktionsphase werden weiterhin immer kleine Sepiabröckchen in einem separaten Gefäß angeboten. Auffallend ist, das P. guttataganz im Gegensatz zu Beobachtungen im Freiland, eher kleinere Futtertiere bevorzugt.

Weibchen von P.guttata mit gut gefüllten Kalktaschen zu Beginn der Legeperiode

Weibchen von P.guttata mit gut gefüllten Kalktaschen zu Beginn der Legeperiode

 

Nach dem Fressen von Fruchtbrei sehen die Tiere immer so aus als ob sie gleich platzen. Dieses hat sich aber meist schon am nächsten Tag wieder erledigt. Obwohl es eine eher schlanke Phelsume ist, sollten die Weibchen zur Reproduktionsphase meiner Meinung nach gut im Futter stehen und gefüllte Kalktaschen haben. Da sie während dieser Zeit enorm viel von ihren Ressourcen verbrauchen, bekommen allzu schlanke Weibchen schnell Schwierigkeiten und laufen Gefahr die Gelegeproduktion nicht zu überstehen.

 

 

Aufzuchtterrarien

Aufzuchtterrarien

 

Aufzucht

Da die Alttiere ihren Jungen nachstellen, werden die Gelege in einen Inkubator überführt. Die Gelege werden bei Temperaturen zwischen 23°C und 29°C tagsüber, und einer Nachtabsenkung auf Zimmertemperatur gezeitigt. Auch hier achte ich auf eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit, damit die Gelege nicht austrocknen. Trotz verschiedenster Versuche mit der Temperatur liegt das Geschlechterverhältnis bisher zugunsten der Weibchen.

Fruchtbrei mit Mineraien- u. Vitaminen

Fruchtbrei mit Mineraien- u. Vitaminen

Die Jungtiere schlüpfen in der Regel nach 47 – 75 Tagen, den Rekord hält ein Tier das erst nach 112 Tagen geschlüpft ist. Zeitnah geschlüpfte Tiere überführe ich zusammen in kleine, relativ dicht bepflanzte Aufzuchtterrarien mit den Maßen B30xT30xH30 cm. Diese gemeinschaftliche Aufzucht sollte aber nur dem erfahrenen Phelsumenpfleger vorbehalten bleiben, der mit wachem Auge sofort erkennen kann, ob ein Tier unterdrückt wird. Bei männlichen Jungtieren kommt es nach spätestens 2 ½ Monaten zu massiven Beißereien und sie müssen separiert werden. Weibliche Tiere können in der Regel länger zusammen aufgezogen werden, aber auch hier gibt es Fälle, wo sich die Tiere überhaupt nicht verstehen.

spätestens nach 2 ½ Monaten kommt es bei einer Gemeinschaftsaufzucht zu Beißereien

spätestens nach 2 ½ Monaten kommt es bei einer Gemeinschaftsaufzucht zu Beißereien

 

Auch in den Aufzuchtterrarien sollte auf eine hohe Luftfeuchtigkeit geachtet werden. Die Temperaturen liegen bei 26°C – 28°C. In den Sommermonaten können diese zeitweise auf 32°C – 34°C ansteigen. Entgegen anderslautender Mitteilungen haben meine Jung- und Alttiere mit diesen hohen Temperaturen keine Probleme.
Die Jungtiere werden täglich im Wechsel mit Fruchtbrei, DayGeckoFood und Kleinstfutter wie Drosophila, Mikroheimchen, Bohnenkäfer, Ofenfischchen etc. gefüttert.

an einem gewellten Schwanz kann man frühzeitig eine Unterversorgung erkennen

an einem gewellten Schwanz kann man frühzeitig eine Unterversorgung erkennen

 

Auf eine gute Vitamin- und Mineralstoffversorgung ist peinlichst zu achten. Eine Unterversorgung erkennt man gut daran, dass sich der lange Schwanz anfängt zu wellen. Dann muss sofort mit einem aufgewerteten Fruchtbrei gegengesteuert werden.

Beachtet man diese Punkte, gestaltet sich die Aufzucht von P. guttata als unproblematisch.

Phelsuma guttata

Phelsuma guttata

Fazit

Durch ihr hübsches Aussehen und das angenehme Wesen zählt Phelsuma guttata zu meinen Lieblingsphelsumen. Ich kann sie jedem schon etwas erfahrenem Terrianer nur wärmstens empfehlen.

Mein besonderer Dank gilt Annemarie Lenk (Chemnitz). Ohne ihre langjährige, selbstlose Unterstützung wäre ich vermutlich an dieser Art verzweifelt und hätte aufgegeben.

Literatur
BERGHOF, H.-P. (1996): Steckbrief Phelsuma guttata, Rundbrief IG Phelsuma. Nr. 16, internes Zirkular
BERGHOF, H.-P. (2002): Ein sehr angenehmer Pflegling – Phelsuma guttata. Rundbrief IG Phelsuma, Nr. 41, internes Zirkular, sowie DRACO Nr. 15 (2003), Regenwälder, Natur und Tierverlag, Münster
BERGHOF, H.-P. (2005): Taggeckos – Die Gattung Phelsuma. Natur und Tierverlag Münster
GLAW, F. & VENCES, M. (2007): Amphibians and Reptiles of Madagascar, Third edition. ISBN 978-3-929449.03-7
HALLMANN, G., KRÜGER, J. & TRAUTMANN, G. (1997): Faszinierende Taggeckos. Natur und Tierverlag, Münster
HARTIG, A. (2003): Diving Phelsuma, Der TagGecko, Nr. 44, IG-Phelsuma, internes Zirkular
KAUDERN, W. (1922): Sauropsiden aus Madagaskar. Zool. Jb. Syst., Jena, 45: 416-458, figs. A-F, pls. xii-xiii
MEIER, H. (1980). Zur Lebendfärbung, Lebensweise und zum Verbreitungsgebiet von Phelsuma guttata. Salamandra, Frankfurt/M., 16 (2): 82-88
MEIER, H. (1989): Zur Faunistik madagassischer Taggeckos der Gattung Phelsuma östlich von Fianarantsoa, bei Tamatave und auf der Insel Ste. Marie. Salamandra, Bonn, 25 (3/4): 224-229
MERTENS, R. (1962): Die Arten und Unterarten der Gattung Phelsuma – Senckenb. biol., Frankfurt/M., 43 (2): 81-127
STREIBERT, P. & Hoesch, U. (2006): Bemerkungen zur Nachzucht von Phelsuma guttata. Der TagGecko, Nr. 55, IG-Phelsuma, internes Zirkular

zurück zur Auswahl