Haltung und Zucht von Phelsuma v-nigra comoraegrandensis

Hartmut Lipp (IG-Rundschreiben 37 4/2001)

 

Im Frühjahr 2000 erfuhr ich von einer Lieferung von Phelsumen der Komoren an den Importeur “Tropic-Fauna” in Hechingen, und erwarb nach einigen Telefonaten und einem persönlichen Besuch 2,2 Tiere einer sehr hübschen Art, die dort als “Phelsuma v-nigra spec.” bezeichnet wurde. O. PRONK, durch den diese Lieferung angeblich zusammengestellt worden war, konnte die Tiere selbst nicht einordnen – die Tiere sollten jedenfalls von der Südküste der Insel Grande-Komore stammen. Die in der Sendung ebenfalls enthaltenen P. v-nigra comoraegrandensis (angeblich von der Typuslokalität) wichen aber in Färbung und Zeichnung kaum von diesen Tieren ab, so dass ich nach Rücksprache mit einigen anderen P. v-nigra ssp.-Haltern zu dem Schluss gekommen bin, dass es sich bei den mit “P. v-nigra spec.” bezeichneten Tieren ebenfalls um P. v-nigra comoraegrandensis handeln müsse – eine Meinung, die mir auf dem diesjährigen Jahrestreffen auch von G. TRAUTMANN bestätigt wurde, der seinerzeit selbst mit H. MEIER über die Komoren-Phelsumen und deren Merkmale / Einordnung sprach, und früher unter anderem auch P. v-nigra comoraegrandensis gehalten hatte.

Anhand der Originalbeschreibung von H. MEIER, den Angaben von G. TRAUTMANN und meinen Tieren lassen sich die typischen Merkmale dieser Unterart wie folgt zusammenfassen:

P. v-nigra comoraegrandensis, Männchen

P. v-nigra comoraegrandensis, Männchen

Die Färbung der Tiere ist sehr stimmungsabhängig und macht eine Einordnung – ohne die verschiedenen Aktivitätsfärbungen zu kennen – schwer. Die Grundfärbung schwankt zwischen einem schmutzigen Grün (Ruhe- und Stressfärbung) und einem leuchtenden Blaugrün, wobei vor allem Schwanzoberseite und Rücken deutlich mehr blauen Einschlag aufweisen als bei der Nominatform. Die rostrote Fleckenzeichnung auf dem Rücken ist in der Regel fein und verwoben, oft auch begleitet von einer ansatzweise vorhandenen Mittellinie, die sich bis in den Kopfbereich hin fortsetzen kann. Besonders auffällig ist das dunkel abgesetzte Lateralband, das allerdings in Prachtfärbung oft verblasst und einem hellen Streifen weicht, der sich allerdings ebenfalls deutlich vom Rücken absetzt. Die Bauchseite ist eher weißlich und kann dunkle Flecken an den Flanken und Extremitäten aufweisen; auf der Kehle zeigt sich je nach Stimmung die namensgebende v-Zeichnung mehr oder weniger deutlich ausgeprägt. Der Kopf zeigt ebenfalls rote Zeichnungsmerkmale, wobei sich zwei Querbalken auf der Schnauze und kurz vor den Augen finden lassen. Die Augenringe selbst sind oft gelblich abgesetzt. Die Größe der Tiere schwankt zwischen 90 – 100 mm (Weibchen) und 100 – 110 mm (Männchen).

Die Haltung und Zucht dieser Unterart hat sich bei mir als relativ problemlos erwiesen – anfänglich hielt ich die Tiere aus Platzgründen 1,0 und 1,2 (was auch ohne Konflikte funktionierte), inzwischen aber leben die Tiere paarweise in Vollglasterrarien der Größe 40 / 50 / 80 cm (L/B/H), die in einem speziellen Terrarienzimmer stehen und keine zusätzliche Heizung benötigen. Die Becken sind dicht bepflanzt und werden über eine automatische Sprühanlage täglich 2-3 mal (je nach Jahreszeit) überbraust. Beleuchtet werden sie von einer 150W-HQI-Leuchte (Lichtfarbe 10.000k) und je zwei 15W-Neonröhren (eine davon als UV-Quelle, eine als Warmton), wobei die HQI nur wenige Stunden in der Mittagszeit an ist und so für eine “natürliche” Licht- und Wärmekurve sorgt, wohingegen die Neonröhren als eigentliche Lichtquellen zwischen 12 und 14 Stunden täglich an sind. Die Tiere finden im Becken eine Temperaturkurve von ca. 26°C bis zu über 35°C, wobei sie sich bevorzugt in den wärmeren Bereichen (um die 30°C) aufhalten. Die Einrichtung besteht neben den Pflanzen und der gestalteten Rückwand aus glatten vertikalen Kletterästen und horizontalen Bambusstäben, in deren Kammern die Weibchen auch gerne ihre Doppeleier freiliegend absetzen. Gefüttert wird alle 2-3 Tage mit Heimchen, Fliegen, Wachsmaden / -motten und zerstoßener Banane, wobei ich dem Futter jeweils ein Vitamin- und Kalziumpräparat hinzufüge.

P. v-nigra comoraegrandensis, junges Weibchen

P. v-nigra comoraegrandensis, junges Weibchen

Meine Paare vertragen sich sehr gut, und in der Saison legen die Weibchen alle 4-6 Wochen ein Gelege ab (Eigröße ca. 7-9 mm, oval geformt), aus denen bei durchschnittlich 26-28°C nach weiteren 7-8 Wochen die recht kleinen (GL 40 bis 50 mm) Jungtiere schlüpfen. Diese kommen dann in ebenfalls dicht bepflanzte) kleine Aufzuchtbecken der Größe 20 / 40 / 40 cm, die jeweils zu viert von zwei 18W-Neonröhren und je zu zweit von einem 40W-Wärmestrahler beleuchtet werden. Auch bei diesen sorgt die automatische Sprühanlage für die tägliche Versorgung mit Feuchtigkeit, und zahlreiche Bambusstäbe und Kletteräste sorgen für Versteck- und Sonnenplätze. In der Gruppenaufzucht mit Jungtieren auch anderer Arten kann man bei diesen dann (unter meinen Bedingungen) bereits nach ca. 3-4 Monaten das Geschlecht erkennen, da ausschließlich die Männchen über nennenswerte Femoralporen verfügen. Mit diesem Alter setzt dann auch allmählich die Umfärbung (= Blau- und Rotfärbung) ein; die Tiere sollten dann bis zur vollen Geschlechtsreife getrennt aufgezogen werden (zumindest die Männchen). Bislang hatte ich unter den genannten Bedingungen eine deutlich höhere Weibchenquote (ca. 4:1); die Zeichnungsmerkmale und Färbung der Elterntiere blieben aber auch bei den Nachzuchten weitestgehend erhalten.

Meine Tiere selbst sind nicht nur hübsch, sondern auch lebhaft, neugierig und wenig scheu, und ich habe es nicht bereut, extra 600 km gefahren zu sein, um sie in Augenschein zu nehmen und zu kaufen … obwohl es Wildfänge waren und erst einmal gegen die üblichen Parasiten behandelt werden mussten. Die einzigen Probleme gab es bislang mit dem Futter, da manche spontan mein Hauptfutter nicht mehr nehmen wollten (Heimchen), und eine Weile nur mit Fliegen und Wachsmaden zu locken waren (von der heißgeliebten Banane mal abgesehen …) – inzwischen aber wieder auch Heimchen akzeptieren … sie sind also etwas wählerischer als andere Phelsumen.

Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung – am liebsten per E-Mail unter info(at)creative-support.de

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