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Zuwachs für die Gattung Phelsuma
Neubeschreibung von Phelsuma kely (Schönecker, Bach & Glaw, 2004)



von Patrick Schönecker (Der Taggecko, Nr.47, 3/2004)



Erst vor kurzem erhielt die von uns geliebte Gattung Zuwachs durch einen weiteren Vertreter von der Ostküste Madagaskars. Die neue Art wurde bereits im Jahr 2000 in einem Händlerimport entdeckt, in dem sie fälschlicherweise als ein Vertreter der Gattung Lygodactylus angeboten wurde.


Der Name der neuen Art - Phelsuma kely - basiert auf dem madagassischen Wort "kely", welches klein bedeutet und auf die geringe Größe der neuen Art anspielt.

Im Folgenden soll in Kurzform der Inhalt der in der Salamandra 40(2) erschienenen Neubeschreibung wiedergegeben werden, um auch IGP- Mitgliedern, die nicht Mitglied der DGHT sind, die neue Art vorzustellen. Für weitere Informationen sei auf die aufgeführte Literatur verwiesen.
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In ihren Merkmalen unterscheidet sich Phelsuma kely von allen anderen Vertretern der Gattung allein schon durch ihre maximale Größe von nur 71 mm. Mit dieser Gesamtlänge stellen sie den derzeit kleinsten Vertreter der Gattung dar. Die nächsten Verwandtschaftsbeziehungen bestehen wohl zu den Vertretern der Phelsuma lineata-Gruppe, mit denen Phelsuma kely sich einige Merkmale (gekielte Bauchschuppen, dunkler Lateralstreifen, Eiablage als Freileger, kleine Körpergröße, Nasenloch nicht in Kontakt mit dem Rostralschild) teilt. Die neue Art ist durch die generelle Ähnlichkeit in der Körperform, durch die Struktur der Haftlamellen an den Zehen und durch die tagaktive Lebensweise eindeutig als Vertreter der Gattung Phelsuma charakterisiert.
P. kely unterscheidet sich von allen übrigen validen Arten und Synonymen der Gattung durch folgende Merkmalskombination: Sehr geringe KRL (maximal 33 mm), deutlich gekielte Bauchschuppen, Nasenloch nicht in Kontakt mit dem Rostralschild, deutlicher Lateralstreifen, Fehlen von Achselflecken, deutlich verbreiterte und gekielte Subcaudalia, deutliche Schwanzwirtelung und homogene Dorsalschuppen.
 

Die Eier werden frei abgelegt und nicht an den Untergrund geklebt. Die meisten Übereinstimmungen zeigen sich wie anfangs erwähnt mit den kleinen Arten der Phelsuma lineata-Gruppe: P. kely unterscheidet sich allerdings von P. pusilla pusilla (Mertens, 1964) und P. p. hallmanni (Meier, 1989) durch die geringere Größ§e und durch das Fehlen von Rot-, Gelb- und Grünelementen in der Zeichnung (siehe Meier 1989a, b). Eine geringe Gesamtlänge von maximal 85 mm zeigt auch P. quadriocellata parva (Meier, 1983), die sich jedoch durch ihre grün-rote Zeichnung deutlich von der neuen Art unterscheidet. Auch zeigt P. kely keinerlei Achselflecken. Die Zeichnung erinnert entfernt an die von P. masohoala (Raxworthy & Nussbaum, 1994, vgl. Meier & Bšhme 1996). Letztere besitzt jedoch eine mit 50 mm wesentlich größere KRL und keinen Lateralstreifen. Auch im Habitus unterscheidet sich die neue Art mit ihrem dorsoventral abgeflachten Rumpf von P. masohoala. Von P. modesta (Mertens, 1970) ist P. kely durch ihre stark gekielten Bauchschuppen und durch ihre geringere Größe abzugrenzen, von P. lineata ssp. durch das völlige Fehlen roter und grüner Zeichnungselemente und außerdem ebenfalls durch die geringe Größe (Krüger 1996). Die in der Zeichnung ähnliche, aus dem Süden Madagaskars stammende P. mutabilis (Grandidier, 1869) unterscheidet sich durch ihre größere GL von 102 mm, dem Fehlen des Lateralstreifens und durch die geringere Anzahl der Sublabialia (Glaw & Vences 1994).


In Bezug auf die Färbung verfügt die Art über die Fähigkeit ihre Haut extrem abzudunkeln und dann dorsal nur noch dunkelgrau bis schwarz zu erscheinen. In Aktivitätsfärbung besitzt der ganze Körper eine weißlich graue Grundfarbe, die auf dem Kopf bis zum Oberrand der Ohröffnung reicht. In dieser Grundfarbe findet sich eingestreut ein feines, schwarzes Muster, das sich als breites Dorsalband bis zum Schwanz erstreckt. Jeweils seitlich davon befindet sich ein graues Band mit eingestreuten weißen Flecken. An den Flanken zieht sich vom Hinterrand der Orbita bis zum Schwanzansatz ein schwarzer Streifen entlang. In schwach ausgeprägter Form ist dieser auch am Schwanz noch vorhanden. Er grenzt ventral an die schmutzig weiße Bauchseite. Die Kehle, die Unterseite der Extremitäten und die vordere Hälfte der Schwanzunterseite besitzen die gleiche Farbe wie die Bauchseite. Die Region der Präanofemoralporen ist beim männlichen Holotypus durch die Drüsensekrete gelblich verfärbt. Die Extremitäten besitzen eine graue Grundfarbe mit einer schwarzen Marmorierung. Die Augen sind weiß umrandet. Supralabialia und Sublabialia sind schmutzigweiß gefärbt.


Während einer Reise in den Lebensraum und bei Beobachtungen in der Terrarienhaltung wurde die Variabilität von P. kely untersucht. Dabei wurden 15 adulte und semiadulte Exemplare der Art lebend beobachtet, darunter männliche und weibliche Exemplare. Keines wich in der Färbung signifikant vom Holotypus ab. Das größte im Lebensraum untersuchte Tier wies eine Kopf-Rumpf-Länge von 30 mm auf, während das sich seit drei Jahren im Terrarium befindliche Männchen eine Gesamtlänge von 71 mm (KRL 33 mm + SL 38 mm) besitzt. Das Weibchen legte das erste Gelege im Terrarium bei einer KRL von 30 mm und einer Gesamtlänge von 69 mm ab und ist somit eindeutig erwachsen. Die vier untersuchten Jungtiere glichen in der Färbung bereits weitgehend den adulten Tieren. Auch weitere bis zum heutigen Zeitpunkt geschlüpfte und auch bereits adulte Exemplare stützen die bisherigen Erfahrungen.


Das bisher bekannte Verbreitungsgebiet erstreckt sich über das Ufer und die angrenzende Vegetation des Lac Ampitabe in der Nähe von Manambato an der zentralen Ostküste Madagaskars. Die Pflanzenwelt um diesen See besteht aus lichtem Sekundärwald. P. kely konnte hier nur auf jungen Drachenbäumen (Dracaena sp., geschätzter Durchmesser 2 cm) und Ästen geringeren Durchmessers nachgewiesen werden. Mit ihrer Färbung ist sie an ihren Lebensraum perfekt angepasst. Die Bestandsdichte scheint im Vergleich zu anderen hier vorkommenden Vertretern ihrer Gattung äußerst gering zu sein.



Literatur:
Glaw, F. & M. Vences (1994): A fieldguide to the amphibians and reptiles of Madagascar. 2nd edition. - Köln (Vences & Glaw Verlags GbR), 480 S.
Glaw, F., M. Vences & T. Ziegler (1999): Bemerkungen zu Phelsuma dubia (Boettger, 1881): Wiederentdeckung des Holotypus, Verwandtschaftsbeziehungen und Daten zur Fortpflanzung. Ð Salamandra, Rheinbach, 35(4): 267-278.
Hallmann, G., J. Krüger & G. Trautmann (1997): Faszinierende Taggeckos - Die Gattung Phelsuma. - Münster (Natur und Tier-Verlag), 229 S.
Krüger, J. (1996): Zur Nomenklatur der lineata-Gruppe der Gattung Phelsuma (Reptilia: Sauria: Gekkonidae). - Sauria, Berlin, 18(3): 37-42.
Meier, H. (1983): Neue Ergebnisse über Phelsuma lineata pusilla Mertens,1964, Phelsuma bimaculata Kaudern, 1922 und Phelsuma quadriocellata (Peters 1883), mit Beschreibung von zwei neuen Unterarten (Sauria: Gekkonidae). - Salamandra, Bonn, 19(3): 108-122.
Meier, H. (1989a): Zur Faunistik madagassischen Taggeckos der Gattung Phelsuma östlich von Fianarantsoa, bei Tamatave und auf der Insel Ste. Marie. - Salamandra, Bonn, 25(3/4): 224-229.
Meier, H. (1989b): Eine neue Form aus der lineata- Gruppe der Gattung Phelsuma auf Madagaskar. - Salamandra, Bonn 25(3/4): 230-236.
Meier, H. & W. Böhme (1996): Zum taxonomischen Status des Formenkreises von Phelsuma abbotti Stejneger, 1893, mit Bemerkungen über P. masohoala Raxworthy & Nussbaum, 1994. - Salamandra, Rheinbach, 32(2): 85-98.
Mertens, R. (1964): Studien über die Reptilienfauna Madagaskars. V. Fünf neue Rassen der Geckonengattung Phelsuma. - Senckenberg. biol., Frankfurt a. M.,45(2): 99-112.
Nussbaum, R.A., C.J. Raxworthy, A.P. Raselimanana & J.B. Ramanamanjato (2000): New species of day gecko, Phelsuma Gray (Reptilia: Squamata: Gekkonidae), from the Réserve Naturelle Intégrale d'Andohahela, Southern Madagascar. - Copeia, 2000(3): 763-770.
Rösler, H., F.J. Obst & R. Seipp (2001): Eine neue Taggecko-Art von Westmadagaskar: Phelsuma hielscheri sp. n. (Reptilia: Sauria: Gekkonidae). - Zoologische Abhandlungen Staatliches Museum für Tierkunde Dresden, Dresden, 51(6): 51-60.
Schönecker, P., S. Bach & F. Glaw (2004): Eine neue Taggecko-Art der Gattung Phelsuma aus Ost-Madagaskar (Reptilia: Squamata: Gekkonidae). - Salamandra, Rheinbach, 40(2): 105-112.