Ethnologische Forschung über Translokalität von Phelsuma

Hier ist das Thema "kein Thema" aktuell. Diskussionsbeiträge die keinen direkten Zusammenhang mit der Terraristik haben können hier gestartet werden. (Beispielsweise zur Suche nach Fahrgemeinschaften zu Börsen oder ähnliches)

Ethnologische Forschung über Translokalität von Phelsuma

Beitragvon Azora » Di 21 Feb, 2017 17:00

Liebes Forum und liebe IG Phelsuma,

ich bin Ethnologin und arbeite als Postdoc am Geographischen Institut der Uni Bonn.
(hier bin ich: https://www.geographie.uni-bonn.de/fors ... enny-krieg)

Ich beginne gerade ein Forschungsprojekt, das sich um die Translokalität von Reptilien und Wissen über Reptilien dreht, zwischen dem Indischen Ozean und Deutschland, in Kontext von zunehmender Technologisierung.
Dabei interessiert mich, wie Reptilien sich zwischen verschiedenen Orten und Kontexten bewegen, durch Handel, dezentralisierte Nachzucht in der Hobby-Terraristik, koordinierte Nachzucht in Terraristik und Zoos, Artenschutz-Projekte, Wissenschaft, Sammlung... mich interessiert auch wie Gen-Tests immer genauere Bestimmung von Populationen möglich machen, und historische Migration nachvollziehbar machen, und in der Gegenwart Zucht beeinflussen können, und welche Rolle das Internet spielt um Deutschland und Madagaskar/Maskarenen näher zusammenzubringen, Wissen auszutauschen, und eventuell auch Handel zu ermöglichen.

Für dieses Projekt habe ich mich nun entschieden, mich auf Phelsuma im westlichen indischen Ozean zu konzentrieren, da die Taggeckos ein tolles Beispiel für globale Translokalität sind: sowohl zwischen den Inseln des westl. ind. Ozeans (wenn auch wohl eher unabsichtlich), als auch beliebt als Terrarientier in Deutschland und weltweit, und vertreten im legalen Handel durch Exportquoten.

Wie ich gehört habe, gibt es auch viele begeisterte deutsche Herpetologen, die nach Madgaskar und auf die Maskarenen reisen und Geckos beobachten, oder auch mit lokalen Organisationen im Artenschutz kooperieren.

Ich habe mich hier angemeldet mit verschiedenen Hoffnungen:

1. Ich würde gerne hier ein bisschen lesen und mit Phelsuma-Haltern diskutieren, um mehr zu erfahren, was Phelsuma-Terrarianer begeistert und motiviert, und auch wie die Zucht stattfindet, was da im Mittelpunkt steht, ob es Erhaltungszucht gibt und was das genau bedeutet, ob es Beispiele gibt für Auswilderung, wie wichtig Wildfänge heute noch sind (stand hier irgendwo auf der Seite dass das eher negativ gesehen wird), ob Genetik eine Rolle spielt, welche Rolle Kooperationen mit lokalen Organisationen spielt, ob regelmäßig Wissen und Erfahrung ausgetauscht wird zwischen Deutschland und Madagaskar/Maskarenen, welche Rolle (Forschungs)Reisen in die Region spielen und wie aktiv Terrarianer da sind.... und vieles mehr.

2. Ich wohne in Bonn und würde mich sehr sehr freuen hier in der Region Kontakte zu knüpfen, und vielleicht die Phelsumas von Mitgliedern hier mal live besuchen zu können...?

3. Da ich im Sommer einen Feldforschungsaufenthalte plane, bin ich auf der Suche nach Tipps. Da hier bestimmt einige Experten sind, die auch schon öfter in der Region waren, erhoffe ich mir Tipps, die mir bei der Planung helfen können. Vielleicht könnt ihr mir Organisationen oder Projekte oder Personen empfehlen, mit denen ich kooperieren könnte. Am besten für meine Forschung wäre ein "volunteering" Aufenthalt oder ein Praktikum, aber ich bin da im Prinzip für alles offen was irgendwie mit Phelsuma zu tun hat.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eure Erfahrungen mit mir teilen wollt. Gerne beantworte ich auch alle Fragen zu meinem Forschungsprojekt.

Viele Grüße,
Lisa
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Re: Ethnologische Forschung über Translokalität von Phelsuma

Beitragvon Arne » Mo 27 Feb, 2017 1:12

Hallo Lisa,
da hast du dir ja ein interessantes Projekt ausgesucht! ;)
Es wird sich hier bestimmt noch der ein oder andere zu Wort melden, auf alle Fälle können wir dir mit Kontaktadressen weiter helfen.
Ich mache mal den Anfang:
Direkte Projekte mit Phelsumen gibt es nur auf Mauritius und La Reunion. Da ich dort noch nicht war, können dir dazu andere bestimmt mehr sagen.
Auf Madagaskar gibt es keine längerfristigen Phelsumenprojekte. Dort kämpfen allenfalls die lokalen NGO's mit Tränen in den Augen um den Biotoperhalt. Eine der aktivsten ist Mitsinjo in Andasibe (https://associationmitsinjo.wordpress.com). Das wäre auf Madagaskar dann wohl "die" Anlaufstelle für dich.
bei Interesse kann ich dir gerne ein paar Kontakte per PN oder Email schicken.
Gruß, Arne Bild
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Re: Ethnologische Forschung über Translokalität von Phelsuma

Beitragvon Azora » Mo 27 Feb, 2017 22:55

Lieber Arne,

danke für deine Antwort :)
Ja, ich bin im Moment auch dabei, Kontakte auf Mauritius und La Reunion zu knüpfen, und denke auch, dass das der beste Ort für eine Feldforschung wäre.

Danke auch für den Link zu der madagassischen Organisation!

Ich bin noch gespannt, ob sich noch andere zu Wort melden :)
Und sehr würde ich mich auch über Kontakte in der Region Köln/Bonn oder Stuttgart freuen, ich fahre auch ein Stück wenn es sein muss.
Oder falls jemand auf die Terraristikmesse Karlsruhe geht, da gehe ich nämlich hin und würde mich auch freuen, dort Leute zu treffen!

Viele Grüße,
Lisa
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Re: Ethnologische Forschung über Translokalität von Phelsuma

Beitragvon Jan » Di 28 Feb, 2017 11:57

Moin Lisa und herzlich willkommen!

Hier schon mal kurz vorab die Organisationen, die auf den Maskarenen aktiv sind und sich auch mit Phelsumen befassen:

Mauritius:
http://www.mauritian-wildlife.org/appli ... d=1&tcid=1
https://www.durrell.org/wildlife/

Réunion:
http://www.nature-ocean-indien.org/arti ... 09252.html

Zudem kann ich dir noch wärmstens das Buch "Lost Land of the Dodo: The Ecological History of Mauritius, Réunion, and Rodrigues" von Anthony Checke empfehlen.

Was dein Vorhaben angeht könnte ich mir vorstellen, dass du insbesondere die invasive Verbreitung von P. grandis und die damit einhergehende Verdrängung bis hin zum lokalen Aussterben der endemischen Phelsumen thematisieren könntest, hier besteht weiterer Forschungsbedarf, vor allem aber auch dringender Handlungsbedarf zur Bekämpfung und Eindämmung der invasiven Phelsumenarten, was bisher leider nur sehr stiefmütterlich verfolgt wird.

Viele Grüße
Jan
2,2,x Phelsuma standingi
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Re: Ethnologische Forschung über Translokalität von Phelsuma

Beitragvon Azora » Mi 01 Mär, 2017 11:39

Lieber Jan,

vielen Dank für deine Antwort. Mit den drei Organisationen bin ich bereits in Kontakt.
Das Buch klingt sehr spannend, das werde ich mir auf jeden Fall zulegen, danke für die Empfehlung!

Viele Grüße,
Lisa
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Re: Ethnologische Forschung über Translokalität von Phelsuma

Beitragvon traudel » Mi 01 Mär, 2017 12:53

Hallo Lisa,

hier noch ein weiterer Literaturtipp:

Gerner, Thomas. "Home range, habitat use and social behaviour of the endangered Mauritian gecko Phelsuma guentheri." Mémoire de Master de Sciences Environnementales. Université de Zurich, Zurich (2008).

Du findest die komplette Arbeit als PDF unter scholar.google.de

Sehr interessant, zumal es mittlerweile ein Ansiedelungsprojekt für Phelsuma guentheri auf Mauritius gibt (Translokation :top: ).

Herzliche Grüße
Gerd
Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch fünfunddreißig Jahre schlecht machen. (Tucholsky)
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Re: Ethnologische Forschung über Translokalität von Phelsuma

Beitragvon Azora » Mi 01 Mär, 2017 15:18

Lieber Gerd,
danke für den Literaturtipp!!!
Ja, in diesem Projekt hoffe ich etwas mitarbeiten bzw Daten sammeln zu können :)

LG Lisa
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